Es ist eine jener Nachrichten zur Datensicherheit, bei der man sich fragt, wie so etwas möglich ist. Forscher von Lava haben mehr als 36.000 über das Internet zugängliche Baseboard-Management-Controller entdeckt, die für eine seit 13 Jahren bestehende IPMI-Sicherheitslücke anfällig sind.
So funktioniert die Sicherheitslücke
Angreifer verschaffen sich zunehmend Zugang zu Rechenzentrumsumgebungen, indem sie unzureichend geschützte Baseboard-Management-Controller (BMCs) ausnutzen. Nach Angaben des Sicherheitsunternehmens Lava reichen oft schwache Standardpasswörter aus, um innerhalb weniger Minuten die Kontrolle über diese besonders privilegierten Verwaltungscontroller zu übernehmen. Betroffen sind unter anderem Server von Supermicro und HPE. Da BMCs außerhalb des eigentlichen Betriebssystems arbeiten, bleiben Angriffe häufig für herkömmliche Sicherheitslösungen unsichtbar.
Besonders problematisch ist, dass viele BMCs weiterhin das mehr als 20 Jahre alte IPMI-Protokoll verwenden und damit für eine bereits 2013 veröffentlichte Schwachstelle (CVE-2013-4786) anfällig sind. Über BMCs können Administratoren Server aus der Ferne verwalten, Firmware aktualisieren oder Hardware konfigurieren. Gelangen Angreifer an diesen Zugang, erhalten sie weitreichende Kontrolle über die betroffenen Systeme und damit über einen der sensibelsten Bereiche eines Rechenzentrums.
Datenorganisation entscheidet über Schadenhöhe und Wiederherstellbarkeit
Datenverlust beginnt selten mit dem Moment des Angriffs, sondern mit dem Weg dorthin: unklare Zuständigkeiten, zu breite Zugriffsrechte und schlecht definierte Datendomänen. In der Praxis genügt bereits eine interne Nachlässigkeit, damit Informationen unkontrolliert kopiert, exportiert oder gelöscht werden. Besonders sensibel sind Kunden- und Mitarbeiterdaten, weil hier sowohl Vertraulichkeit als auch Verfügbarkeit direkt geschäftskritisch werden.
Wenn Daten nicht konsistent organisiert sind, verlängern sich Such- und Wiederherstellungszeiten. Zudem steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Betroffene viele Systeme und Prozesse durchlaufen müssen, statt gezielt zu reagieren. Für Entscheider bedeutet das: Die Datenorganisation wirkt wie ein Sicherheitsmultiplikator. Sie legt fest, welche Daten wo liegen, wer sie nutzt und wie Änderungen protokolliert werden. Genau daran messen sich später Compliance, Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit.
Prävention gegen Datenverlust: Zugriff arbeitsfähig, aber restriktiv
Sie schützen Ihre Daten am effektivsten, wenn Zugriffe arbeitsfähig bleiben, aber restriktiv und rollenbasiert gesteuert werden. Dazu gehört, dass Sie Zugriffsrechte aus Geschäftsprozessen ableiten, regelmäßig überprüfen und bei Änderungen sofort nachziehen. So verhindern Sie, dass Mitarbeitende oder Dienste dauerhaft „zu viel dürfen“, obwohl sich Rollen oder Aufgaben geändert haben.
Für die Umsetzung bewährt sich ein Standard-Set: klare Datendomänen, definierte Verantwortlichkeiten und ein durchgängiges Berechtigungskonzept. Ergänzen Sie regelmäßige Security-Checks auf allen Ebenen, die Datenflüsse ermöglichen, einschließlich Management- und Administrationsschnittstellen. Damit schaffen Sie eine ganzheitliche Betrachtung von IT-Security, die nicht nur technische Schwachstellen bewertet, sondern auch organisatorische Lücken reduziert.
IT-Sicherheit als strategische Aufgabe der Leitung
Viele Unternehmen behandeln IT-Sicherheit zu lange als reines Technikthema. Das Ergebnis sind Sicherheitsstandards, die nicht konsequent weiterentwickelt werden und damit schnell hinter den realen Angriffsmethoden zurückfallen. Wenn die Zugriffskontrolle, die Datenorganisation und die Überwachung nicht als kontinuierlicher Prozess geführt werden, entstehen Lücken, die Angreifer ausnutzen. Gleichzeitig steigt das Risiko für Betriebsunterbrechungen und Produktionsausfälle, weil Recovery mehr Zeit benötigt als geplant.
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Quelle: CSO




